Männer treiben Sport – manchmal bis zum Exzess. Das ist doch nicht gesund?

Da liegen Sie richtig. Typisch sind Männer ab 40 oder 50. Weil die Motivation meist grösser ist, als es die bereits in die Jahre gekommenen Gelenke und Sehnen zulassen, leiden sie an Überlastungserscheinungen. Sie benötigen deshalb eine längere Regenerationszeit zwischen den Trainingseinheiten. Weniger ist dann oft mehr. Ein langsamer Aufbau und Rücksicht auf den Körper ist das Mass aller Dinge.

Was heisst das konkret?

Man sollte sich als Erstes gut überlegen, welchen Sport man ausführen will. Bei beginnenden Abnützungserscheinungen an den Knien ist es nicht sinnvoll, Jogging oder sogenannte «Stop-and-go»-Sportarten wie Fussball zu betreiben. Man fährt dann besser Velo oder macht Walking, Sportarten also ohne Schläge auf die Gelenke. Und wer Golf spielt, sollte bei Schulterproblemen auf eine schonende Schlagtechnik achten.

Wird heute bei Gelenk-Problemen zu oft operiert?

Ja. Nehmen Sie zum Beispiel Abnützungserscheinungen des Knies. Viel zu oft empfehlen operativ tätige Ärzte dann eine Arthroskopie, obwohl das häufig nichts nützt. Patienten mit einer Knie-Arthrose, bei denen im Rahmen einer Studie eine Arthroskopie durchgeführt wurde, waren verglichen mit Patienten, die eine sogenannte Placebo-Operation, das heisst eine Operation ohne therapeutischen Eingriff, erhalten haben, nach einigen Wochen nicht in einem besseren Zustand. Meiner Ansicht nach gibt es nur Ausnahmefälle, bei denen eine Arthroskopie bei Knie-Arthrose indiziert ist.

Stichwort Diagnose- und Indikationsqualität: Wie können hier Arzt und Patient zielführend interagieren?

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient beruht auf Vertrauen. Der Patient ist auf die Einschätzung und Beratung des Fachmanns angewiesen. Er soll versuchen, sich sein gesundheitliches Problem vom Spezialisten logisch erklären zu lassen, indem er seinen Zustand möglichst genau schildert und Fragen stellt. Zentral ist in allen Phasen der Behandlung die Qualität der Betreuung durch den Arzt. Er muss den Patienten in jeder Phase umfassend begleiten. Leider haben wir nach wie vor nur wenige Instrumente, um die Qualität einzelner Leistungserbringer zu messen. Es ist auch schwierig, entsprechende Kriterien zu definieren. Ist der Arzt in der Betreuung perfekt, aber ein schlechter Operateur, schneidet er im Rating oft besser ab als der perfekte Operateur, der in menschlicher Hinsicht schlechte Noten bekommt.