In der Anfangsphase zeigen Betroffene häufig einen vermehrten Energieeinsatz. Wenn jemand nach der Arbeit aber nicht mehr abschalten kann, ist dies ein wichtiges Warnsymptom. Die nötige Erholung bleibt aus und schwächt das Individuum. «Dabei ist vielfach nicht die Arbeitsmenge entscheidend, sondern die Gefühlslage, mit der man seine Arbeit verrichtet», sagt Ferdinand Jaggi, der sich seit Jahren intensiv mit Burnout-Patienten beschäftigt.

Hinter jedem Burnout-Fall verbirgt sich ein individuelles Schicksal, an dem sich das therapeutische Vorgehen auszurichten hat.

Wenn Einsatz und Ertrag sowie Anstrengung und Belohnung nicht in einem krassen Missverhältnis stehen, könne über Jahre ein hohes Engagement aufrechterhalten werden. Dass der Energieeinsatz doch zu hoch war, lasse sich in der Folge am häufigen Auftreten von Erschöpfungssymptomen feststellen. Dafür reiche es, wenn Zweifel am Sinn des eigenen Tuns aufkommen, so Jaggi.

Die Symptome des Burnouts beschreibt er als Depersonalisation, als ein Entfremden von sich selbst mit ausgeprägter emotionaler Distanz, einem zynischen Verhalten gegenüber Mitmenschen, verbunden mit emotionaler Erschöpfung, einer reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit sowie sozialer Isolation und Hoffnungslosigkeit.

Erhöhte Reizbarkeit

Ernst zu nehmende Frühwarnsymptome eines Burnouts sind gemäss Jaggi eine innere Unruhe, die Arbeit geht zu Hause weiter, Betroffene können nicht abschalten und geraten in ein permanentes Grübeln. Dabei kann es zu vegetativen Überreaktionen kommen wie Übelkeit, Durchfall, Spannungskopfschmerzen, Migräneattacken und übermässiges Schwitzen.

Auf der emotionalen Ebene stellt sich das Gefühl ein, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, verbunden mit einer zunehmend pessimistischen Grundeinstellung, einem Energieverlust und Schuldzuweisungen. «Betroffene machen andere oder das System, in dem sie sich befinden, verantwortlich für die eigene Misere», erläutert Jaggi. Wut, Ärger, aber auch Ängste machen sich bei Burnout-Patienten breit. Viele leiden unter Schlafstörungen und einer inneren Leere.

Bei den Arbeitsabläufen stellt sich eine reduzierte Effizienz ein, die Gedanken beginnen zu kreisen, es kommt zu Denkblockaden, einer verminderten Frustrationstoleranz, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Betroffene leiden unter einer erhöhten Reizbarkeit, ziehen sich sozial zurück, ihr Engagement lässt zunehmend nach. Es entwickelt sich eine generelle Verflachung des emotionalen, sozialen und mentalen Lebens. Die Betroffenen wirken gleichgültig und als Folge ziehen sich Freunde und Bekannte oft zurück.

Gefahr des Suizids

Psychosomatische Symptome wie Schlafstörungen, Magenprobleme und Kreislaufbeschwerden treten schon in den Anfangsphasen eines Burnouts auf. Häufig lässt sich auch eine Veränderung der Essgewohnheiten feststellen. Suchtmittel wie Alkohol, Drogen oder Nikotin werden ebenfalls vermehrt konsumiert.

Typischerweise versuchen sich Betroffene selber zu behandeln – mit Beruhigungs-, Schmerz- und Schlafmitteln, der Besuch beim Arzt wird immer wieder aufgeschoben. Am Schluss bleibt die reine Verzweiflung: Die Einstellung zum Leben ist überwiegend negativ. Das Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens und der Arbeit sowie die Hoffnungslosigkeit auf Veränderungen können zu Selbstmordgedanken führen. Die Gefahr eines Suizidversuchs nimmt zu.

Die allein wirksame Burnout-Therapie gebe es nicht, betont Ferdinand Jaggi. «Hinter jedem Burnout-Fall verbirgt sich ein individuelles Schicksal, an dem sich das therapeutische Vorgehen auszurichten hat.» Basis der Behandlungskonzepte seien unter anderen die Akzeptanz der Behandlungsbedürftigkeit, das Ausschalten von Stressfaktoren sowie langfristige Massnahmen zur Verbesserung der Stressresistenz.

Betroffene müssten Frühwarnsymptome ernst nehmen und das Gespräch mit Vertrauenspersonen sowie ärztlichen und psychologischen Fachpersonen suchen. Zugleich seien Früherkennung und Prävention in einer breiten Bevölkerungsschicht zu verankern, fordert Jaggi. In seinem Buch «Burnout – praxisnah», das dieses Jahr bereits in der zweiten Auflage erschienen ist, werden diese Themen mit prägnanten, praxisbezogenen Anleitungen abgehandelt und für den Alltag konkretisiert.