Dass chronische Schmerzen...

...auf die Stimmung drücken können, ist mehr als nachvollziehbar. Entsprechend ist es leider auch keine Überraschung, dass Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, besonders häufig gefährdet sind, irgendwann eine Depression zu entwickeln.

Tatsächlich treten in rund der Hälfte aller Fälle Schmerzen und Depressionen gemeinsam auf. Dabei ist die seelische Verstimmung jedoch nicht immer Folge von chronischen Schmerzen. Das Gegenteil kann der Fall sein.

Schwere Verluste, etwa nach einem Todesfall, einer Trennung oder aber bei einem besonders schwierigen Stellenverlust, können eine ganze Lawine an physischen Symptomen auslösen.

Wenn Bewältigungsmechanismen nicht mehr greifen, frühere schwerwiegende Erlebnisse vorliegen oder das innere Gleichgewicht aus dem Lot geraten ist, kommt es häufig zu anhaltenden physischen Schmerzen.

Seele und Körper als ein Ganzes

Tatsächlich ist die Trennung in psychische und physische Störung neurobiologisch mittlerweile gänzlich überholt. Forscher der US-amerikanischen University of Michigan konnten in einem Experiment nachweisen, dass seelische und körperliche Schmerzen in der gleichen Hirnregion wahrgenommen werden.

Verbrennt man sich die Finger an der heissen Herdplatte, verarbeitet der somatosensorische Kortex diesen schmerzenden Reiz. Die gleiche Hirnregion wird allerdings auch aktiv, wenn eine Beziehung in die Brüche geht und so für viel Liebeskummer sorgt.

Einige Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, welche das Gehirn dazu nutzt, Schmerzsignale zu empfangen und zu verarbeiten, regulieren und steuern auch die Stimmung eines Menschen.
 

Dieses Wissen hilft bei der Behandlung chronischer Schmerzsyndrome und Depressionen und erklärt, weshalb Antidepressiva auch Schmerzpatienten helfen können.
 

Die Harvard Medical School hielt in einer ihrer Fachpublikationen deshalb fest: «Fast jedes Medikament, das in der Psychiatrie Verwendung findet, kann auch verwendet werden, um als Schmerzmittel zu dienen.»

Duale Therapieansätze

In vielen Fällen wird neben der medikamentösen zusätzlich eine therapeutische Behandlung empfohlen.

Mittlerweile haben sich verschiedene psychosomatische Kliniken auf die Behandlung von depressiven und chronischen Schmerzpatienten spezialisiert und bieten eine auf den Körper und die Seele ausgerichtete Behandlung an.

Neben der klassischen Psychotherapie werden Patienten dabei unterstützt, wieder zu einem ausgewogeneren Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung zu finden und die Schmerzerkrankung sowie deren Auslöser zu bewältigen.

Entsprechend werden verschiedene Bewegungs-, Imaginations- und Entspannungsübungen angeboten, die dabei helfen sollen, Techniken der Ablenkung und Aufmerksamkeitslenkung zu entwickeln und so eine neue Sichtweise auf ein Leben ohne Schmerzen zu ermöglichen.

Volkskrankheit Depression

Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung in der Schweiz.

Was versteht man unter einer Depression?

Eine Depression ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die sich unter anderem in Form von anhaltender Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessenverlust sowie vielfältigen körperlichen Symptomen zeigen kann. Sie unterscheiden sich von vorübergehenden negativen Gefühlen, welche eine Reaktion auf konkrete Situationen und Erlebnisse sind und nach einer bestimmten Zeit verarbeitet werden.

Sechs Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden unter einer Depression.

Gemäss Weltgesundheitsorganisation leiden täglich drei bis fünf Prozent der Weltbevölkerung unter Depressionen. Das sind 120–200 Millionen Menschen pro Tag.

Frauen leiden häufiger unter einer Depression als Männer

Depressionen treten häufig erstmals im Alter von 18 bis 25 Jahren auf.

15 Prozent aller Frauen leiden nach der Geburt unter einer Postnatalen Depression.

Was sind die Ursachen einer Depression?

Die Ursachen sind häufig vielschichtig und ein Zusammenspiel verschiedener biologischer und psychischer Ursachen. Es ist zudem gut belegt, dass bei der Entstehung einer Depression genetische Veranlagungen eine Rolle spielen können.

Häufige Symptome einer Depression

  • Gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust
  • Freudlosigkeit, Traurigkeit, Hilflosigkeit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Ängste, Schuldgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • Rückzug, Vermeidung
  • Verminderung des Antriebs

Rund 10 bis 15 Prozent aller Patienten mit wiederkehrenden schweren depressiven Phasen scheiden durch Selbsttötung aus dem Leben.