Herr Hatz, die Angst vor Malaria ist noch immer weit verbreitet. Ist diese berechtigt?

Ja, obwohl die Malaria weltweit bei der einheimischen Bevölkerung in Afrika, Asien und vor allem auch in Südamerika massiv zurückgegangen ist. Dies dank den Bestrebungen grosser internationaler Organisationen.

Dieser spürbare Rückgang schlägt sich letztlich auch auf die Reisenden nieder. Wir sehen deshalb auch einen kontinuierlichen Rückgang der Malariafälle bei Touristen aus der Schweiz. Allerdings bedeutet das nicht, dass wir im Umgang mit der im Einzelfall hochgefährlichen Malaria nachlässig sein dürfen.

Wenn man in Malariagebiete reist, muss man sich der Gefahr einer Ansteckung bewusst sein und sich entsprechend schützen sowie bei Fieber sofort ärztliche Hilfe suchen. Angst ist jedoch der falsche Begleiter, vielmehr rate ich zu einer realistischen Auseinandersetzung mit möglichen Gefahren im Urlaubsland.

Wie wird Malaria übertragen?

Malaria wird ausschliesslich durch die Anopheles-Mücke übertragen, die abends und nachts sticht. Ansteckend ist die Krankheit nicht. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass nicht nur Malaria durch Mücken übertragen wird, sondern auch viele weitere Krankheiten. Mit einem guten Mückenschutz kann man das Risiko auf ein Minimum reduzieren.

In Schwarzafrika und südlich der Sahara wird eine Prophylaxe mit einem Malariamedikament empfohlen.
Zu welchem Schutz raten Sie in den anderen Malariaregionen wie Asien oder Südamerika?

In diesen Regionen steht ein guter Mückenschutz im Vordergrund. Das heisst, dass man wiederholt Mückenschutzmittel aufträgt und die Kleidung mit einem Insektizid einsprüht. Auch nachts! Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Reisenden informiert sind und sich bewusst sind, dass sie sich in einem Malariagebiet aufhalten.

Das Risiko, daran zu erkranken, ist zwar klein, aber vorhanden. Wenn man also Fieber bekommt, muss man sofort handeln und einen Arzt aufsuchen. Ist kein Mediziner in der Nähe, sollte man prophylaktisch ein mitgeführtes Malariamedikament einnehmen. Wir nennen das Notfallselbstmedikation. Eine Malaria, die man am ersten oder zweiten Tag diagnostiziert, ist kein Problem und gut zu behandeln. Schwierig wird es, wenn eine Woche mit dem Arztbesuch gewartet wird. Solche Fälle können tödlich enden.

Weshalb wird die medikamentöse Malariaprophylaxe nur noch in Hochrisikogebieten empfohlen?

Die Medikamente zur Malariaprophylaxe können teilweise sehr unangenehme Nebenwirkungen haben. Die Gefahr einer Komplikation durch diese Nebenwirkungen ist dann grösser als das Risiko, an Malaria zu erkranken. Die Medikamente müssen eine Woche vor der Abreise, während der ganzen Reise und je nach Medikament eine bis vier Wochen danach eingenommen werden.

Malaria ist eine relativ kleine Gefahr für Reisende im Ausland. Wo sehen Sie grössere Risiken?

Tatsächlich haben viele Reisende Angst vor Infektionskrankheiten. Die Gefahr von Unfällen ist in den Ferien aber viel grösser. Wir haben dazu Suva-Daten von Unfällen im Ausland angeschaut. Aufgrund dieser Daten haben wir herausgefunden, dass – rein statistisch gesehen – pro Monat ein Schweizer bei einem Unfall in Thailand stirbt.

Das sind unglaubliche Zahlen. In einer anderen Studie haben wir 75 Reisende während 2 bis 4 Wochen aufschreiben lassen, welche Probleme sich auf ihrer Reise gezeigt haben. Unfälle kamen viel öfter vor als alle Infektionskrankheiten.

Zu unserem Erstaunen waren auch psychische Probleme häufig. Insbesondere über Angst und Erschöpfung wurde berichtet. Diese Auswertungen zeigen uns, dass wir mehr über die Ursachen herausfinden müssen, um in Zukunft gezieltere Aufklärungsarbeit leisten zu können.

Können Sie uns Tipps für erholsame, unfall- und krankheitsfreie Ferien geben?

Geniessen Sie die kostbaren Tage des Jahres, indem Sie sich gut auf Ihre Reise vorbereiten. Angst vor Unbekanntem ist kein guter Ratgeber.

Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, mit dem nötigen Respekt dem Neuem zu begegnen: Beim Essen und Trinken den gesunden Menschenverstand walten lassen, beim Überqueren der fremden Strassen sowie beim Sport vorsichtig sein, einen vernünftigen Mückenschutz betreiben und im Krankheitsfall, während oder nach der Reise, nicht zu lange zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Vor allem aber: Freuen Sie sich auf erholsame Ferien!