Wer Stress hat, leidet häufig auch unter Schlafstörungen. «Bei einer Stressreaktion werden im Körper gewisse Hormone ausgeschüttet, die den Körper anregen», erklärt Dr. Suzanne von Blumenthal. Dementsprechend ist eine grosse Spannung im Körper, die an ein ungestörtes Einschlafen nicht denken lässt. «Häufig kann man schlecht abschalten und die Gedanken kreisen – man bleibt wach».

Anhaltende Störungen können krank machen
Fast jeder kennt diese stressbedingten Schlafprobleme. Kritisch wird es, wenn Stress und Schlafstörungen anhalten. Denn Überlastung und Schlafstörungen können auf Dauer krank machen. «Bei anhaltenden Schlafstörungen wird unser Hormonsystem stark unter Belastung gestellt. Kommen noch zusätzliche belastende Faktoren hinzu, kann eine Depression oder ein Burnout entstehen.» Umso wichtiger ist es, bei anhaltenden Schlafstörungen, die durch Stress ausgelöst werden, etwas zu unternehmen. «Man sollte natürlich als erstes versuchen, den Stress zu reduzieren und wieder zu einem natürlichen Rhythmus zu finden.» Dazu eignen sich auch körperliche Aktivitäten, Entspannungstechniken sowie eine optimale Schlafhygiene. Auf keinen Fall sollte man bei Stress und Schlafproblemen sofort zur «chemischen Keule» greifen. «Pflanzliche Mittel wie Baldrian und Hopfen zeigen gute Wirkung, um zur Ruhe zu kommen.»

Schlafstörungen als erstes Anzeichen einer Depression
Schlafprobleme können jedoch auch ein frühes Symptom einer psychischen Erkrankung sein. «Psychische Erkrankungen gehen fast immer mit Schlafproblemen einher. Bei Depressionen sind sie besonders ausgeprägt - typisch ist das frühmorgendliche Erwachen.» Das heisst, die Betroffenen werden in den frühen Morgenstunden wach und können nicht mehr einschlafen. Ein Grund hierfür ist das Hormon Melatonin, das den Schlaf und Wachrhythmus steuert. «Bei Menschen mit Depressionen wird dies eingeschränkt produziert.» Sollte man denn bei Schlafstörungen immer auch an eine Depression denken? «Besonders wenn noch weitere Symptome wie Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Konzentrations- und Leistungsstörungen auftreten, kann dies auf eine Depression hindeuten.» Wichtig sei, dass sich die Betroffenen rechtzeitig in ärztliche Behandlung begeben.»

Rasche Diagnose hilft
Denn je früher eine Diagnose steht, umso früher kann man gezielt gegen die Probleme vorgehen. Häufig gibt das Beschwerdebild dem Hausarzt bereits die nötigen Hinweise. «Durch eine körperliche Untersuchungen muss als erstes abgeklärt werden, ob nicht eine organische Erkrankung vorliegt, die für die Schlafstörung sowie die depressiven Symptome verantwortlich sein könnte», so von Blumenthal. Bei Verdacht auf eine Depression werden die Betroffenen an einen Psychotherapeuten oder Psychiater zur weiteren Diagnose überwiesen. «Schlafstörungen, ausgelöst durch psychische Erkrankungen, sind auch bei uns ein verbreitetes Beschwerdebild.» Die Therapie richtet sich denn stark nach Form und Ausgeprägtheit der Depression. So können etwa bestimmte Antidepressiva sowie niedrigpotente Neuroleptika als Schlafmittel eingesetzt werden. «Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Schlafmitteln ist, dass Antidepressiva und Neuroleptika nicht abhängig machen.» Auch einfache Mittel wie ein angenehmes Bettklima und eine ruhige Schlafumgebung tragen zu einem besseren Schlaf bei und müssen bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Schlafentzug bei Depressionen
Schlafentzug kann bei depressiven Patienten jedoch auch positiv zu therapeutischen Zwecken genutzt werden. Durch den Schlafentzug wird beim Patienten ein Stimmungshoch ausgelöst. Zusätzlich wird die gestörte Regulation des Schlafes günstig beeinflusst. Auch an den Psychiatrischen Diensten Graubünden wird die sogenannte Wachtherapie durchgeführt. «Die Patienten werden gegen Mitternacht geweckt und die Nacht hindurch mit Spielen und Spaziergängen wach gehalten. Auch den folgenden Tag müssen sie bis zur gewohnten Schlafenszeit wach bleiben. Die Therapie zeigt dann eine antidepressive Wirkung.»