Infektionskrankheiten wie die Pest, Cholera, Tuberkulose, Kinderlähmung oder die Pocken haben bei uns lange Angst und Schrecken verbreitet. Im 14. Jahrhundert starben bis zu einem Drittel aller Menschen in Europa an einer Pestwelle, und bis ins 20. Jahrhundert mehr als die Hälfte aller Kinder vor dem zehnten Geburtstag an Darminfektionen oder anderen bakteriellen Erregern.

Die Wende kam mit dem medizinischen Fortschritt und der Entwicklung von Antibiotika und Impfungen, mit denen die breite Bevölkerung wirksam vor Ansteckungen geschützt und im Krankheitsfall geheilt werden kann. So konnten, zumindest in den hochentwickelten Ländern, viele dieser Krankheiten ausgerottet oder zumindest stark eingedämmt werden.

Auch heute schützen Impfungen unsere Gesundheit noch immer wirksam und günstig vor gesundheitlichen Gefahren und sorgen als Teil unseres gut funktionierenden Gesundheitssystems dafür, dass wir immer älter werden dürfen.

Aller Fortschritte zum Trotz ist der Kampf gegen Infektionskrankheiten auch bei uns noch nicht gewonnen

Anders sieht es aus, wenn wir den Blick auf die ganze Welt ausweiten. Global gesehen sind Infektionskrankheiten noch immer die häufigste Todesursache, weil es in weniger wohlhabenden Ländern an Medikamenten, wirkungsvollen Impfprogrammen und an einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung fehlt.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns als fleissig reisende Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz gegen Krankheiten wie Masern impfen lassen, damit wir diese nicht in ärmere Länder «exportieren» und damit die Gesundheit der dort lebenden Menschen gefährden. Indem wir uns impfen lassen, übernehmen wir nicht nur Verantwortung für uns selber, sondern auch für andere.

Aller Fortschritte zum Trotz ist der Kampf gegen Infektionskrankheiten auch bei uns noch nicht gewonnen. Denn wir haben Antibiotika in der Human- und der Tiermedizin wie auch in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten übermässig eingesetzt.

Dadurch sind immer mehr Bakterien immun gegen die zur Verfügung stehenden Medikamente und so wieder zu einer ernsten Gefahr für die Gesundheit von Menschen und Tieren geworden.

Der Bundesrat hat den Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen aufgenommen und zu einer seiner gesundheitspolitischen Prioritäten für die nächsten Jahre erklärt. In seinem Auftrag haben mehrere Bundesämter zusammen mit den Kantonen und anderen Akteuren eine Strategie erarbeitet, die bei der Überwachung, der Prävention, einem sachgemässen Einsatz von Antibiotika, der Resistenzbekämpfung, der Forschung und Entwicklung, der Kooperation, aber auch der Information und Bildung ansetzt.

Auch in diesem Bereich gilt: Vorbeugen ist besser als heilen. Je öfter es gelingt, Infektionserkrankungen zu verhindern, desto weniger Antibiotika müssen zur Therapie eingesetzt werden. Einen Beitrag dazu leisten kann man, indem man Hygienemassnahmen konsequent umsetzt.

In den Spitälern, Pflege- und Altersheimen unseres Landes kommt es jedes Jahr zu etwa 70'000 Infektionen und in der Folge zu rund 2'000 Todesfällen, von denen sich bis zur Hälfte vermeiden lassen. Das Bundesamt für Gesundheit setzt, im Auftrag des Bundesrates und zusammen mit den Kantonen, Spitälern und Heimen, eine Reihe von Massnahmen um, mit denen die Verhütung und Bekämpfung dieser Krankheitserreger verstärkt werden kann.

Wie wichtig das Verhalten jedes Einzelnen und jeder Einzelnen ist, zeigt sich zum Beispiel bei den sexuell übertragbaren Krankheiten. Seit der Entdeckung des HI-Virus verfolgt die Schweiz eine Strategie, die auf Aufklärung und Sensibilisierung setzt: Wir alle sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und uns selber wie auch andere bei sexuellen Begegnungen vor HIV-Infektionen zu schützen.

Diese Auslegeordnung zeigt: Infektionskrankheiten sind zwar auch heute noch eine Gefahr – aber dank Impfungen, Hygienemassnahmen und konkreten Verhaltensempfehlungen sind wir ihnen nicht mehr so schutzlos ausgeliefert, wie das noch unsere Vorfahren waren.