Sie ist wieder da, die Jahreszeit, in der viele Menschen von Erkältungen geplagt werden oder an einer Grippe erkranken. Es ist deshalb auch die Zeit, in der wir auf vielfältigen (Werbe)Kanälen darauf hingewiesen werden, dass wir jetzt unser Immunsystem stärken sollen. Aber wie?

Wer sich mit dem Immunsystem befasst, merkt bald: Wir haben es mit einer äusserst klugen und komplexen Leistung unseres Körpers zu tun. Das Immunsystem ist nicht an ein bestimmtes Organ gebunden, sondern arbeitet überall im Körper. Bei jedem Menschen, der ein intaktes Immunsystem hat, sind unzählige Moleküle und Zellen im Dauereinsatz, um ihn vor Krankheitserregern zu schützen.

Wir alle können etwas tun, um dieses wertvolle System zu stärken. Allerdings spielen die intensiv beworbenen Produkte zur Stärkung der Abwehrkräfte eine viel geringere Rolle als ein natürlich gesunder Lebensstil. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, ausreichend langer und erholsamer Schlaf, regelmässige Bewegung − am besten an der frischen Luft. Dass Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum der Gesundheit schaden, ist erwiesen. Auch für das Immunsystem lohnt sich der Verzicht.
 

«Impfungen bieten wirksamen Schutz – für jeden Einzelnen und in der Gesellschaft auch für diejenigen, die sich nicht impfen lassen können. Denn jede Impfung vermindert das Risiko, dass sich ein Erreger ausbreitet.»

Effektiver Schutz: Impfen

Impfen ist der grosse Erfolg der Immunologie. Die Kenntnisse zu Wirksamkeit und unerwünschten Nebenwirkungen sind fundiert. Das Risiko der Impfreaktionen ist ein Vielfaches kleiner als die mit der Krankheit verbundenen Risiken. Und doch ist Impfen in unserer Gesellschaft umstritten. Warum? Weil die Generationen, die heute für sich und für die eigenen Kinder über das Impfen entscheiden, die Zeit ohne Impfung gar nicht erlebt haben. Diese Generationen kennen etwa das Krankheitsbild der Kinderlähmung nicht, weil diese Infektionskrankheit dank Impfschutz weltweit fast verschwunden ist. Die diffuse Angst vor Impfreaktionen ist heute deshalb stärker als die berechtigte Angst vor dem Erreger. Dabei wiegen wir uns in falscher Sicherheit: Erreger können sich erneut ausbreiten, wenn immer mehr Menschen auf Impfungen verzichten.
So wirksam wie das Impfen jede und jeden Einzelnen schützt, so wichtig ist es auch für die Gesellschaft. In unserer Gesellschaft leben Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht geimpft werden können: Etwa Säuglinge bis zu einem bestimmten Alter oder Menschen, die wegen einer Krankheit keine Impfung vertragen. Andere wiederum haben ein zu schwaches Immunsystem und können sich durch eigenes Impfen nicht schützen. Mit Blick auf diese Betroffenen ist das Impfen nicht nur ein individueller Schutz, sondern ein Akt der Solidarität: Mit jeder geimpften Person vermindert sich das Risiko, dass ein nicht geimpfter Mitmensch mit dem Erreger in Berührung kommt.
 

Allergien und Co.

Unser Immunsystem ist nicht nur bei übertragbaren Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln oder zur Grippezeit besonders gefordert, auch stark verbreitete Allergien wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma sind Reaktionen des Immunsystems. Das Immunsystem erkennt die meist harmlosen Stoffe von Pollen oder Hausstaubmilben als Gefahr − und reagiert bei Allergikern mit unnötigen, überschiessenden Entzündungen. Diese Immunantwort löst die allergischen Beschwerden aus. Gegen manche Allergien gibt es erprobte Mittel, während andere Immunerkrankungen die Wissenschaft noch stark fordern. Die Immunologie ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet von Medizin, Biologie und weiteren Disziplinen. Entsprechend vielfältig sind die wissenschaftlichen Arbeiten, die zum besseren Verständnis unseres Immunsystems und damit zu immer besserem Schutz und neuen Behandlungsmöglichkeiten führen können. Einiges davon wird in dieser Gesundheitsbeilage gezeigt und erklärt. Ich wünsche Ihnen eine interessante und informative Lektüre. Wissen fördert das richtige Verhalten − davon bin ich überzeugt.