Wann fangen Kinder an zu merken, dass Eltern ein Suchtproblem haben?

Schon Kleinkinder merken, dass etwas nicht stimmt – obwohl sie dies nicht benennen können. Im schlimmsten Fall suchen sie die Schuld sogar bei sich.

Kinder erleben z.B. häufig, dass Eltern ihre Versprechungen nicht einhalten, dass Strafen und Belohnungen willkürlich erfolgen und der betroffene Elternteil einmal lieb und geduldig, ein anderes Mal aber nervös oder abwesend ist.

Kinder erleben so ein Wechselbad der Gefühle: Wut, Enttäuschung und gleichzeitig Zuneigung und Liebe zu den Eltern.

Welche Auswirkung kann die Abhängigkeit der Eltern auf die Kinder haben?

Die Atmosphäre daheim ist oft von Spannungen, Konflikten und Instabilität geprägt. Alles dreht sich um das Suchtmittel bzw. um das Geheimnis, das daraus gemacht wird. Häusliche Gewalt ist im Zusammenhang mit Suchtmittelkonsum nicht selten.

Ein Kind von suchtkranken Eltern hat häufig Angst, es fühlt sich unsicher, einsam und schuldig. Aus Loyalität zu den Eltern oder aus Scham spricht das Kind gegenüber Aussenstehenden nicht über die belastende Situation.

Können Eltern ihren Erziehungsaufgaben überhaupt noch gerecht werden?

Auch suchtkranke Eltern möchten gute Eltern sein. Manchmal kommen betroffene Eltern aber an den Rand ihrer Kräfte und wissen nicht mehr weiter. Das ist verständlich und zeigt, dass sie in dieser schwierigen Situation nicht alleine bleiben, sondern Unterstützung in Anspruch nehmen sollten.

Suchtkranke Eltern können ihr Kind unterstützen, wenn sie ihm erklären, dass es keine Schuld an der Krankheit hat und darüber gesprochen werden darf. Wichtig sind auch eine geregelte Tagesstruktur sowie Vertrauenspersonen ausserhalb der Familie.

Können Kinder ihren Eltern helfen, von der Sucht wegzukommen?

Oft fühlen sich Kinder aus suchtbelasteten Familien verantwortlich. Sie denken, etwas falsch gemacht zu haben und die Eltern vom Trinken abhalten zu können. Doch dies ist nicht ihre Verantwortung. Es ist wichtig, diesen Kindern zu vermitteln, dass sie keine Schuld tragen.

Dazu brauchen sie ihrem Alter entsprechende Unterstützung von Vertrauenspersonen und evtl. von Fachleuten. Unabdingbar ist ein wohlwollendes gesellschaftliches Klima, in dem betroffene Eltern ihre Scham- und Schuldgefühle überwinden können und ermutigt werden, Hilfe für sich und ihre Kinder in Anspruch zu nehmen.
 

In vielen Familie wiederholt sich das Thema Sucht und wirft einen Schatten über mehrere Generationen.
 

Was kann man tun um diese Strukturen zu durchbrechen? Ist es überhaupt möglich?

Es stimmt: Kinder aus suchtbelasteten Familien haben ein erhöhtes Risiko, später selber eine Suchtkrankheit zu entwickeln. Aber: Viele Kinder werden als Erwachsene nicht süchtig und haben keine psychischen Störungen.

Es gibt Faktoren, die eine schützende Wirkung haben. Dazu zählen ein geregelter Tagesablauf, Familienrituale, ein gutes Selbstwertgefühl oder die Fähigkeit, um Hilfe zu bitten. Weiter zeigt sich, dass eine stabile Beziehung zum nichtabhängigen Elternteil oder zu einer erwachsenen Bezugsperson ausserhalb der Familie einen stärkenden Einfluss auf das Kind hat.

Was wird in der Schweiz getan um Eltern mit Suchtproblemen zu helfen?

Zur Suchtbehandlung gibt es zahlreiche ambulante und stationäre Einrichtungen, wobei es wichtig ist, Betroffene während einer Therapie auch in ihrer Rolle als Eltern anzusprechen und zu stärken.

Solche Fachstellen bieten z.T. auch Angebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien an. Zudem gibt es niederschwellige Angebote für Eltern wie auch für Kinder.

Die zweisprachigen Webseiten von Sucht Schweiz:

sprechen betroffene Menschen in der Deutschschweiz und in der Romandie an.

WEITERE INFOS

www.suchtschweiz.ch

Tel.: 021 321 29 11
Fax: 021 321 29 40
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