Warum führt Stress bei manchen Menschen zu Abhängigkeitserkrankungen und bei anderen nicht?

Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Belastungen. Ob jemand bei Stress zu Suchtverhalten neigt, mag mit genetischen Aspekten zusammenhängen, aber auch mit dem, was Eltern, soziales Umfeld und Gesellschaft ihm vorleben:

Ist es normal, bei Anspannung zur Flasche zu greifen, um sich zu entspannen?

Werden gezielt Tabletten oder andere Substanzen genutzt, um Leistungsfähigkeit zu erhöhen oder negative Gefühle auszublenden?

Dann ist die Gefahr sehr gross, dass sich bei zunehmender Belastung das Konsumverhalten verselbstständigt und selbst zum Problem wird – dies umso mehr, wenn der Substanzkonsum die einzige und wichtigste Strategie zur Stressbewältigung ist.

Wer hingegen über vielfältige Strategien verfügt, um mit Belastungen umzugehen, wer Freundschaften und Gespräche nutzt, sich sportlich betätigt oder aktiv und selbstverantwortlich auf Lösungssuche geht, ist entsprechend auch weniger anfällig dafür, sich in Suchtverhalten zu verlieren.

Wann ist es angezeigt, professionelle Hilfe zu holen?    

So früh wie möglich. Sucht ist ein Verhaltensmuster, das dazu neigt, rasch eine Eigendynamik zu entwickeln, das sich tief in die Denkmuster und Identität eines Menschen eingräbt, andere Inhalte rücksichtslos verdrängt und sich mit zunehmender Dauer immer schwieriger verändern lässt – vergleichbar mit dem Unkraut Löwenzahn, das tiefe Wurzeln schlägt und sich hartnäckig behauptet.

Ausserdem behindern negative Folgen der Sucht, seien es gesundheitliche, soziale, finanzielle oder psychische, oft die Behandlung – wer bereits bis über beide Ohren im Sumpf steckt, wird die nötige Motivation und Zuversicht für den Kampf gegen die Sucht weniger leicht aufbringen können.

Die Binsenwahrheit „Er muss zuerst ganz am Boden ankommen, dann wird er schon etwas ändern“ ist deshalb mit Vorsicht zu geniessen – viel besser ist es, sich schon früh an Suchthelfer zu wenden und problematisches Verhalten anzugehen, ehe es sich vollends festgesetzt hat.

Oftmals werden Suchtpatienten rückfällig, wie geht man damit um?
 

"Rückfälle gehören zur Sucht."
 

Der Ausstieg aus der Sucht passiert höchst selten in einem einzigen, einfachen, linearen Schritt. Wir beobachten viel häufiger spiralförmige Prozesse, in denen sich Fortschritte mit Rückfällen abwechseln, aber im Idealfall sich doch eine stetige Besserungstendenz abzeichnet.
 

"Suchtbehandlung braucht Zeit."
 

Und wenn man Rückfälle ernst nimmt, hinschaut und zu ergründen versucht, was hinter ihnen steckt, können sie der Behandlung sogar wichtige Anhaltspunkte liefern und die betroffene Person weiterbringen.

Schwieriger wird es, wenn Rückfälle verheimlicht oder verharmlost werden – das ist verständlich, gerade, weil Rückfälle häufig sehr viel Scham und Schuldgefühle auslösen, aber nicht konstruktiv, weil das Problemverhalten so ungestört weiterwuchern kann und sich nichts verändert.

Sucht oder nicht – was sind die Anhaltspunkte für eine Suchtabhängigkeit?

Es lohnt sich grundsätzlich für jeden Menschen, ein scharfes Auge auf seinen Suchtmittelkonsum zu halten, zu prüfen, zu welchen Gelegenheiten man welche psychoaktiven Substanzen mit welcher Absicht konsumiert.
 

"Hier gilt: Wehret den Anfängen."
 

Wenn jemand allerdings immer höhere Dosen des Suchtmittels braucht, um die erhoffte Wirkung zu erzielen, wenn Entzugserscheinungen auftreten und der Substanzkonsum langsam, aber stetig alle anderen Interessen und Aktivitäten im Leben eines Menschen verdrängt, wenn negative Konsequenzen zunehmen, aber es der betroffenen Person trotzdem nicht gelingt, den Konsum zu reduzieren oder zu stoppen – spätestens dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Suchterkrankung vor, spätestens dann sollte man Hilfe suchen.

Wie können Personen mit einer Abhängigkeitserkrankung behandelt werden?

Es gibt heute eine Vielzahl von Angeboten, begonnen mit im Internet verfügbaren Informationen und Selbsttests, über niederschwellige Suchtberatungsstellen, suchtmedizinische Ambulatorien bis hin zu Suchtfachkliniken für stationäre Behandlungen.

Medikamentöse Strategien alleine reichen oft nicht aus, um Sucht wirksam zu bekämpfen, können aber eine psychotherapeutische Behandlung und Beratung wirkungsvoll ergänzen. Wer sich in der Vielfalt der Angebote nicht zurechtfindet, wird bei Suchtberatungsstellen oder seinem Hausarzt sicher gut beraten werden. Wichtig ist: Sucht hat mit dem ganzen Menschen zu tun, entsprechend ist Suchtbehandlung auch etwas Ganzheitliches – und braucht Zeit.

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