Dr. Hugentobler, was läuft beim Thema Luftqualität falsch?

Trotz des Rückgangs der Aussenluft-Verschmutzung in den westlichen Industrieländern und der Verbannung des Tabakrauches aus dem öffentlichen Raum nimmt die Häufigkeit von chronischen Lungenerkrankungen und Allergien in der Bevölkerung stetig zu. Weshalb?

Studien zeigen, dass die Raumluft deutlich stärker belastet ist als die Aussenluft. Unser individuelles Gesundheitsrisiko wird bestimmt von der mit Hausstaub belasteten Innenluft, die wir während 80 Prozent unserer Lebenszeit atmen.

Was ist so gefährlich an Hausstaub?

Hausstaub ist ein Sammelsurium von natürlichem Schmutz, abgelagerter Luftverschmutzung, Mikroben und Chemikalien.

Von draussen durch Schuhe, Kleider und Haustiere eingeschleppt und drinnen durch Bewohner, Milben und Insekten abgegeben.

Auf dem Boden liegend stellt er «nur» ein Risiko dar. Gefährlich wird er durch das Aufwirbeln in die Luft. Der eingeatmete chemische und mikrobielle Hausstaub-Cocktail kann Allergien sowie chronisch-entzündliche Reaktionen der Atemwege auslösen.

Wie gelangt der Hausstaub in die Luft und was kann man dagegen tun?

Die unsichtbare, permanente Staubaufwirbelung durch unsere alltäglichen Aktivitäten ist vor allem für die ungesunden Folgen verantwortlich! Eine neue Studie hat gezeigt, dass durch Aufwirbelung die Milbenallergen-Konzentration in der Luft um das mehr als Hundertfache ansteigen kann.

Eine andere Studie hat kürzlich gezeigt, dass die Aufwirbelung von Milbenbestandteilen von einem Linoleumboden um das Hundertfache zunimmt, wenn die Luftfeuchtigkeit von 80 auf 10 Prozent gesenkt wird.

Während drei Vierteln des Jahres beträgt die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit in unseren Häusern um die 70 bis 80 Prozent und stellt kein Problem dar.

Im Winter fällt sie jedoch durch das Heizen unter 30 Prozent. Diese ausgeprägte Trockenheit lässt die Allergie- und Asthma-Beschwerden ansteigen, da sie die Aufwirbelung von Hausstaub begünstigt.

Der optimale Feuchtebereich für die Minimierung der Allergiebeschwerden liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Um die empfohlene Untergrenze von 40 Prozent relativer Feuchte im Winter zu erreichen, muss in der Regel aktiv befeuchtet werden. 

Wie geht das?

Verwendung von hygienisch unbedenklichen Luftbefeuchtern, die auf Wasserverdunstung oder Verdampfung basieren und keine Filtermatten brauchen. Weitere Ratschläge: Böden häufig feucht reinigen, Bettwäsche regelmässig waschen.

Auch das Atmen durch die Nase hilft! Die gesunde Nase filtert mehr als die Hälfte des Hausstaubes aus der Atemluft heraus und befeuchtet die unteren Atemwege.