Modedesigner Karl Lagerfeld findet Sie toll und auch Vogue-Chefredaktorin Anna Wintour fand nur lobende Worte für Sie. Gehen Sie heute selbstbewusster an Ihre Jobs?
Für mich ist immer noch jeder Job eine grosse Herausforderung. Ich bin sehr kritisch mit mir selbst, will den Kunden und den Fotografen zufriedenstellen. Deshalb spüre ich jedes Mal aufs Neue wieder Anspannung und einen gewissen Nervenkitzel, wenn ich mich an die Arbeit mache.

Gab es während den Schauen in Paris einen Moment, in dem Sie sich gestresst fühlten?
Ja, davon gab es einige. Modeln kann sehr stressig sein. Vor allem während den Fashion Weeks. Diese finden nur zweimal jährlich statt und dauern rund sechs Wochen. Das bedeutet für die Models von Casting zu Casting zu springen, zahlreiche Fittings zu absolvieren und schliesslich so viele gute Schauen zu laufen wie irgendwie möglich. Das alles kann ganz schön stressig sein. Ich bin häufig unterwegs, bekomme zu wenig Schlaf und habe kaum Freizeit oder Privatsphäre.

Haben Sie ein Geheimnis, wie Sie sogar in solchen Extremsituationen ruhig bleiben können?
Ich versuche soweit als möglich die kurzen Pausen zu nutzen, die ich zum Beispiel habe, wenn ich auf ein Casting warte. Dann höre ich jeweils Musik oder schliesse die Augen und mache ein
power nap.

Trotz Ihrer tollen Figur mussten Sie vor den internationalen Schauen Gewicht verlieren. Wie sind Sie mit diesem Druck umgegangen?
Entweder achte ich auf meine Ernährung und bewege mich genug oder ich lasse das Modeln sein. Als ich mich für eine internationale Karriere entschieden habe, wusste ich, dass es von nun an dazu gehören wird, gewissenhaft auf mein Gewicht und meine Masse zu achten. Das ist ein Teil des Model-Jobs. Mein Körper ist mein Kapital.

Am Joggen haben Sie sogar Gefallen gefunden. Was tut Ihnen daran so gut?
Ich sitze häufig im Zug oder im Flugzeug. Von Zeit zu Zeit werde ich so kribbelig, dass es richtig gut tut, raus zu gehen und mich zu bewegen. Während des Joggens höre ich manchmal Musik oder geniesse einfach nur die schöne Natur – je nachdem ob ich zu Hause in Bern an der Aare joggen gehe oder in New York in einem Fitnesscenter auf dem Laufband stehe.

Was tun Sie sonst noch, um sich fit und gesund zu fühlen?
Neben dem regelmässigen Joggen gehe ich ins Fitnessstudio und mache viele Kraftübungen. Jedoch nur mit wenigen Gewichten, denn zu viele Muskeln sehen nicht vorteilhaft aus. Zudem besuche ich ab und zu Pilates- oder ähnliche Gymnastik-Kurse. Manchmal baue ich Stress auch beim Tennisspielen ab. Je nach Stadt muss ich mich immer wieder neu orientieren. Da ich momentan häufig unterwegs bin, ist es nicht ganz einfach, regelmässig zu trainieren.

Was machen Sie als erstes, wenn Sie von einer wichtigen Show nach hause oder ins Hotel kommen?
Einfach mal gar nichts. Weder Koffer auspacken noch sonst etwas.

Sie sind häufig alleine in einer fremden Stadt. Was unternehmen Sie am liebsten, wenn Sie einmal einen freien Nachmittag haben?
Sehr oft gehe ich spazieren und halte Eindrücke mit meiner Handy-Kamera fest. Ich möchte mir bald eine etwas professionellere Kamera zulegen. Ich beobachte gerne andere Menschen und habe Freude daran, Schnappschüsse später zuhause anzuschauen.

Wann und wo können Sie am besten entspannen?
Das ist sehr unterschiedlich: beim Musik-
hören, während des Joggens oder am Abend, mit einem guten Buch vor dem Schlafengehen. Auch in der Gesellschaft von guten Freunden kann ich mich entspannen.

Sie spielen gerne Klavier und singen dazu aus voller Kehle. Haben Sie ein Lieblingsstück?
Ich spiele oft dieselben Stücke, da ich nicht mehr so viele Songs auswendig spielen kann. Meistens gehören dazu die bekannten Stücke des Soundtracks von Amélie Poulain, „Imagine“ von John Lennon und „Let it be“ von den Beatles.

Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Das ist schwierig zu beurteilen. Ich erlebe jeden Tag so viel Neues, dass ich mich nicht auf ein Szenario festlegen will. Es kann ein Tag sein, den ich mit meiner Familie und guten Freunden verbringe. Doch auch ein Tag, an dem ich irgendwo auf der Welt gute Arbeit geleistet habe, und mich selbst sowie den Kunden zufriedengestellt habe, kann ein perfekter Tag sein.

Durchschnittliche Bürger ­arbeiten und verreisen dann in ihren Ferien. Bei Ihnen ist es ­umgekehrt. Sie reisen ­bei der ­Arbeit und kommen ­während ­ Ihrer Ferien zurück in die Schweiz. Verreisen Sie dennoch gerne auch privat?
Natürlich! Es ist doch etwas ganz anderes eine Stadt mit einer Freundin zu besuchen oder nur kurz hinzureisen, ins Studio gefahren zu werden und in ein Hotel einzuchecken. Nicht immer komme ich dazu, die Stadt, in der ich arbeite, auch wirklich kennenzulernen.

Haben Sie eine Traumreise, die Sie bald einmal machen wollen?
Es gibt viele Destinationen, die ich gerne entdecken möchte. Dazu gehören Aus-tralien, Südamerika und Indien.

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5 Tipps von Julia Saner

Lange Spaziergänge, laute Musik, gemütliche Abende mit Freunden und täglich ein Müesli mit frischen Früchten... Topmodel Julia Saner hat mittlerweile zahlreiche Strategien entwickelt, um dem Stress im Alltag zu entkommen. Mediaplanet verrät sie, wie sie sich fit hält und ihre Batterien sogar während turbu-lenten Wochen wie der Fashion Week wieder auf-laden kann.

  1. Wenn ich mich entspannen will, gehe ich joggen oder spazieren, spiele Tennis, oder höre gute Musik mit meinem iPod —und zwar ganz laut. Mit meinen Freunden ausgehen, lange tanzen und mir einen guten Film im Kino ansehen hilft mir ebenfalls gegen Stress.
  2. Ich trinke viel Wasser, das hält fit. Am Morgen bereite ich mir ausserdem regel-mässig ein feines Müsli mit frischen Früchten zu, das macht munter und gibt genügend Vitamine für den bevorstehenden Tag.
  3. Je nach Stimmung höre ich mir passende Songs an. Hauptsache es kommt genug Abwechslung durch die Kopfhörer. Von Pop über Alternativ bis Elektronik habe ich deshalb alles auf meinem iPod.
  4. Familie und Freunde sind für mich etwas vom Wichtigsten in meinem Leben. Sie geben mir sehr viel Kraft und muntern mich auf, wenn ich mal gestresst bin.
  5. Niemand ist perfekt. Auch ein Model nicht. Deswegen lenke ich mich gerne ab, um mich nicht permanent mit meinem Äusseren beschäftigen zu müssen.