Bei gesunden Menschen wird die Nahrung im Dünndarm sauber zerlegt. Dieser Prozess funktioniert bei Zöliakie-Erkrankten nicht mehr richtig. Viele Betroffene wissen allerdings gar nichts davon und lassen sich nicht untersuchen, weil die Symptome – oft heftige Bauchschmerzen – auch fehlen können oder untypisch sind.  

Bei Silvan Hässig (Jahrgang 1996) wurde die Erkrankung frühzeitig entdeckt. Nicht ganz per Zufall. «Meine Schwester riet mir zu einer Bluttest-Abklärung, weil bei ihr Zöliakie diagnostiziert worden war.» Er stellte seinen Menüplan radikal um. Gluten enthaltendes Weizenbrot, Dinkel, Roggen oder Gerste waren für ihn ab sofort tabu.

Zöliakie ist eine Autoimmunkrankheit, die einen lebenslang beschäftigt. Trotzdem relativiert Silvan die Erkrankung. «Ich muss nicht einmal Medikamente nehmen, ich darf einfach gewisse Dinge nicht essen.» Er lebe jetzt sogar gesünder als vorher, weil er stärker auf eine sinnvolle Ernährung achte.

Sein Interesse am Thema mit all seinen Facetten teilt er mit anderen via Facebook, aber auch auf seinem Blog www.glutenfreiewelt.ch. Betroffene wollen zum Beispiel wissen, wie sie sich auf Reisen oder in Restaurants verhalten sollen.

«In einigen Ländern ist man teilweise einiges weiter mit der Deklaration als in der Schweiz», hat er festgestellt. Um vor unangenehmen Überraschungen verschont zu bleiben, empfehle es sich aber, in Cafés und Restaurants sicherheitshalber nach glutenfreien Produkten nachzufragen.

In seiner eigenen Küche probiert Silvan immer wieder andere Rezepte aus. Focaccia gefällig? Glutenfrei zu backen, sei keine Hexerei, erfordere aber einige Übung. «Gluten hält das Brot schliesslich zusammen, sorgt dafür, dass es elastisch wird und nicht trocken und bröselig.» Das richtige (glutenfreie) Mehl in der richtigen Menge und Zusammensetzung, die richtige Temperatur, ein geeigneter Backofen: Auf solche Details gelte es, beim glutenfreien Backen besonderen Wert zu legen. Man müsse sich langsam herantasten, lautet sein Tipp.

Momentan befindet sich Silvan Hässig noch in Neuseeland, um seine Englischkenntnisse zu vertiefen. Ende April 2017 kehrt der Hochbauzeichner in die Schweiz zurück, will aber nicht auf seinem gelernten Beruf tätig bleiben. «Ich möchte Ernährungscoach werden.» Wen wunderts?