Fast jeder kennt sie – Ein- und Durchschlafstörungen. Dabei ist es nicht immer einfach, den schlafstörenden Faktoren auf den Grund zu kommen. «Die Ursachen für Ein- und Durchschlafstörungen sind sehr vielschichtig. Man unterscheidet etwa 80 verschiedene Schlafstörungen. Um eine Diagnose zu stellen, braucht es deshalb einiges an Zeit und Geduld – sowohl vom Patienten als auch vom behandelnden Arzt», erklärt Dr. Mohammed Khalil, Facharzt für Allgemeinmedizin.

Volkskrankheit Schlafstörungen
Schlafstörungen kommen denn relativ häufig vor und betreffen alle Altersgruppen. «Rund 40 Prozent der Bevölkerung sind in irgendeiner Form von Ein- und Durchschlafstörungen betroffen. Man spricht deswegen nicht selten von einer Volkskrankheit.» Schlafstörungen bedürfen einer sorgfältigen Abklärung, damit eine ursachenspezifische Therapie eingeleitet werden kann. «Dazu hat sich die Anwendung der sogenannten «fünf Ps» bewährt: Physisch (organisch), physiologisch (gestörter Schlafrhythmus z.B. aufgrund von Jetlag oder Schichtarbeit), psychologisch (Stress, Beziehungsprobleme etc.), psychiatrisch (psychische Erkrankung) und pharmakologisch (Medikamente, Alkohol, Koffein, Nikotin etc.)». Die Bewertung dieser Kriterien gibt bereits Aufschluss über mögliche Ursachen der Störung. «Daneben ist eine körperliche Untersuchung des Patienten wichtig.»

Bessere Lebensgewohnheiten helfen
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird und wenn die Schlafstörung regelmäs­sig oder längerfristig auftritt. «Oftmals begeben sich die Patienten aber erst spät in ärztliche Behandlung und laufen Gefahr, dass die Schafstörungen chronisch werden.» Dabei kann in vielen Fällen bereits mit der Änderung einiger Lebensgewohnheiten eine Besserung der Schlafstörungen erreicht werden. «Bewegung am Abend, leicht verdauliche Mahlzeiten, die Reduktion von Alkohol und Koffein – all das kann bereits zur Besserung der Schlafhygiene beitragen.» Auf keinen Fall sollte man zwanghaft versuchen zu schlafen. Lieber aufstehen und etwas lesen, wenn man nicht schlafen kann. «Daneben haben sich auch pflanzliche Mittel wie Baldrian, Hopfen und Passionsblume gegen leichte Einschlafstörungen bewährt.» Erst wenn diese Massnahmen keine Wirkung zeigen, kommen chemische Medikamente zum Einsatz. «Heute werden Schlafmittel oftmals zu schnell verschrieben. Deshalb sollte man Schlafmittel nur kurze Zeit anwenden, um den Teufelskreis der Störung zu durchbrechen», so der Experte.

Schlafapnoe erkennen und behandeln
Eine besondere Bedeutung unter den Schlafstörungen hat die sogenannte Schlafapnoe. Dabei leidet der Patient, zu einer grossen Mehrheit sind Männer betroffen, unter Atemaussetzer während des Schlafes. «Der Patient selbst merkt die Atemaussetzern oftmals gar nicht und denkt, dass er gut geschlafen hat. Typisch ist, dass die Betroffenen dann unter einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit leiden.» Hinzu kommt, dass die Apnoe schwerwiegende Folgen haben kann. «Die Gefahr, an einem kardiovaskulären Leiden zu erkranken, steigt. Ebenso ist die Unfallgefahr durch den Schlafmangel erhöht.» Werden die Patienten nicht durch ihre Partner auf die Aussetzer aufmerksam gemacht, vergeht oft einige Zeit, bis eine Schlafapnoe diagnostiziert wird. Zur ausführlichen Abklärung werden die Betroffenen in einem Schlaflabor untersucht, wo das Schlafverhalten aufgezeichnet wird. «Apnoe-Betroffene leiden oftmals unter Übergewicht. Mit einer Gewichtsabnahme sind sie meist von ihrem Leiden befreit. Reicht das nicht, kommen sogenannte CPAP Masken zum Einsatz.» Bei dieser Therapie leitet ein Atemgerät einen dauernden, sanften Luftstrom in eine Nasenmaske, die die Patientin oder der Patient während der Nacht trägt. Dadurch entsteht im Nasen-Rachen-Raum ein erhöhter Druck, der einen Verschluss der Atemwege verhindert. Die Betroffenen können wieder normal atmen, das Schnarchen und die Atempausen treten nicht mehr auf. Die Erfahrung zeigt, dass die Mehrheit der Behandelten die Therapie von Anfang an gut toleriert und bereits nach kurzer Zeit nicht mehr unter den typischen Beschwerden leidet.