«Früher waren die Themen Wechseljahre und Menopause ein Tabu», sagt Katrin Weichold, Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Aeskulap Klinik in Brunnen: «Die Frauen fürchteten sich davor, weil sie nicht wussten, was sie erwartete. Heute wissen die Frauen, dass die Wechseljahre eine neue Lebensphase und keine Krankheit bedeuten. Sie sollten diese Zeit als einen Neubeginn sehen.»

Individuelle Symptome

Die Menopause ist der Zeitpunkt der letzten spontanen Menstruation im Leben einer Frau. Er wird retrospektiv festgelegt, nachdem ein Jahr lang keine Blutung mehr erfolgt ist. Die Menopause tritt im Durchschnitt im 52. Lebensjahr ein, aber auch 40 oder 58 sind keine Seltenheit. Zeichen der hormonellen Veränderungen zeigen sich oft bereits in der Zeit davor. Dauer und Intensität der Beschwerden sind bei jeder Frau etwas anders. Mit 35 kann der Progesteron-Spiegel abfallen und ab 40 der Östrogen-Spiegel.

Vielleicht wird nun die Periode unregelmässig, Hitzewallungen können sich einstellen, auch Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten. Dies kann einige Monate andauern, sich aber nicht selten auch auf 10 und mehr Jahre ausdehnen. Oft fühlen sich Frauen wie auf einer Achterbahn und schreiben die Beschwerden erst allmählich der Hormonveränderung zu.

Das unerlässliche ­«Sonnenvitamin» D

Weil jede Frau weiss, dass ihr einmal diese Stunde schlägt, kann sie sich physisch und psychisch auf die Wechseljahre vorbereiten. Dies kann mit Formen der Ordnungstherapie, wie körperliche Aktivität, Entspannungs- und mentale Therapie, erfolgen. Katrin Weichold empfiehlt, das Blut zu untersuchen, um den Vitamin-D-Spiegel frühzeitig festzustellen, und verordnet je nach Resultat die Einnahme eines Ersatzpräparates. Das «Sonnenvitamin» D kann mithelfen, Osteoporose zu verhindern. «Über Jahre wurde missachtet, wie enorm wichtig ein genügender Vitamin-D-Spiegel ist», so Katrin Weichold.

Der Energiebedarf sinkt mit der Menopause, der Stoffwechsel verlangsamt sich, man nimmt schneller zu und muss beim Essen aufpassen. Andererseits steigt der Bedarf an Vitaminen, Mikronährstoffen, Spurenelementen. Katrin Weichold verschreibt ihren Patientinnen je nach den Symptomen Vitamine, Mineralien oder pflanzliche Ausgleichsstoffe (siehe Tipps). Ein Ziel ist es, die betroffenen Frauen auf die positiven Seiten ihrer neuen Lebensphase hinzuweisen. Die ganze Energie, die der Körper für den Fortpflanzungszyklus benötigte, wird nun frei für neue Aktivitäten.

Die Fülle und nicht der Mangel

In anderen Kulturen werden Frauen am Ende ihrer Gebärfähigkeit in den Kreis der Weisen berufen. Bei uns im Westen, sagt Katrin Weichold, müssen die Frauen lernen, dass sie keineswegs an Attraktivität verlieren, die meist von Männern definiert wird. «Es gibt Fähigkeiten, die nachlassen», betont sie, «aber andere steigern sich dafür. Die Frauen sollten sich an der Fülle orientieren und nicht am Mangel.»

Tipps

Intensive Bewegung in den Jahren vor der letzten ­Blutung ist ideal. Gegen spätere Hitzewallungen und Gelenkprobleme und für ein entspanntes Gemüt helfen 2-3 Mal pro Woche je eine halbe Stunde körperliche Aktivität. Beckenbodentraining gegen ­Inkontinenz. Autogenes Training bei ­Stimmungsschwankungen. Pflanzliches Progesteron aus der Yams-Wurzel. Gegen Schweissausbrüche, die Hitzewallungen begleiten, helfen Traubensilberkerze, Rotklee, ­Rhabarberwurzel.

Auch Tees aus Salbei, Frauenmantel, Schafgarbe, sowie Vitamin E und B-Komplex, Nachtkerzenöl, Omega-3 und -6 können unterstützend wirken. Gegen begleitende Angstzustände kann Homöopathie helfen: Mit der Substanz des Tintenfisches sowie aus der anthroposophischen Medizin Holunder oder Apis ­regina.

Massagen, traditionelle chine- sische Medizin oder Neuraltherapie helfen gegen menopausale Beschwerden. ­ Bio-identische Hormone anstelle des synthetischen Hormon- ersatzes zu Beginn der Behandlung oder nach Verschlechterung der Symptome.