Diabetiker werden ihr Leben lang von ihrer Krankheit begleitet: Blutzuckermessung, Therapieanpassung in Absprache mit Fachpersonen, Selbstkontrolle. Aussenstehende können kaum nachvollziehen, wie alltagsbestimmend diese Aspekte sind. Deshalb wird gerade an Telemedizin-Lösungen getüftelt, die die Übertragung von Messwerten an Experten vereinfachen. Und es boomen Internetplattformen, auf denen sich Betroffene austauschen. Einfach anzuwendende Telemedizin und Social Media in kombinierter Form gab es bis dato nicht. Ein Schweizer Startup aus dem Zürcher Technopark will das mit einem «Diabetes Social Health Network» ändern und entwickelte mibetes. Etwa 500 Schweizer und 2000 Tester im arabischen Raum testen momentan die mibetes-Applikation. Sie führen hier ein Online-Tagebuch ihrer Werte, die somit dem kompletten Diabetes-Care-Team zur Verfügung stehen – auch im Notfall. Und sie tauschen sich mit Hilfe von Social Media Funktionen mit anderen Betroffenen aus.  

Bessere Therapie möglich
Verkürzte Wege zwischen Patienten und medizinischem Personal spare Geld und könne helfen, die Therapie zu verbessern, sagt einer der Gründer, Francesco Bitonti. «Ich selbst bin Diabetiker und weiss, dass es oft nicht reicht, alle drei Monate zur Kontrolle zum Arzt zu gehen», sagt er. Und im Notfall kann so auch ein Mediziner in den Ferien auf die Daten zugreifen. Durch den Erfahrungsaustausch mit anderen sei es zudem besser möglich, als Patient direkt an der Therapie mitzuarbeiten, sagt Bitonti. Der Bedarf scheint gross zu sein, was die vielen freiwilligen Tester zeigen. Es stellte sich heraus, dass für sie Datensicherheit hohen Stellenwert hat – ein wichtiger Aspekt in allen medizinischen Bereichen, die internetgestützt sind. Zu Beginn des kommenden Jahres soll die mibetes-Applikation für alle Interessierten im deutschen Sprachraum bereit stehen. Dabei seien die meisten Funktionen kostenlos, sagt Bitonti: «Je mehr Betroffene dabei sind, desto grösser ist der Nutzen für den Einzelnen.»