Sport und Bewegung tut allen gut. Also auch Diabetes-Betroffenen. Sportliche Diabetikerinnen und Diabetiker kommen denn auch häufig mit weniger Medikamenten aus oder es kann sogar der Beginn einer Insulintherapie hinausgezögert werden. Viel Bewegung baut Muskeln auf, welche mehr Energie verbrauchen als Fett, was die Gewichtsabnahme fördert. Auch die Fettverbrennung wird verbessert, sodass sich die Blutfettwerte verbessern können. Nicht zuletzt profitieren Herz und Kreislauf vom Training und das Lungenvolumen nimmt zu.

Sport beugt vor und verhindert sogar teilweise den Ausbruch
95 Prozent aller Diabetes-Betroffenen leiden unter dem Typ-2-Diabetes. Umweltfaktoren wie falsche Ernährung und Bewegungsarmut haben zu einer Zunahme dieser Krankheit in den westlichen Ländern geführt. Es erkranken auch häufig übergewichtige Menschen. Sie profitieren ganz besonders vom Sport. Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmässige körperliche Aktivitäten den Ausbruch von Diabetes verzögern, im Idealfall sogar verhindern können. Der Grund: Durch Sport wird die Insulinempfindlichkeit in der Muskulatur erhöht und dadurch die Insulinresistenz reduziert. Die körpereigene Insulinproduktion wird geschont und so länger erhalten. Mit anderen Worten: Durch genügend Bewegung kann das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden. Grund genug also, in den Trainingsanzug zu schlüpfen und loszustarten.

Check beim Arzt
Zuvor aber sollte man einen Check beim Arzt machen. Das gilt vor allem für Menschen, die sich lange Zeit nicht mehr sportlich betätigt haben oder bereits unter Folgekrankheiten leiden. Bei ihnen können sich ungünstige körperliche Aktivitäten nachteilig auswirken. Wenn nötig, kann der Arzt ein Belastungs-EKG machen und darauf basierend Ratschläge geben, welche Sportarten in welcher Intensität für den Patienten geeignet sind. Dabei werden auch allfällige Gelenkprobleme wie zum Beispiel eine Kniearthrose berücksichtigt. Für die allermeisten Menschen empfehlenswert sind Sportarten wie Nordic Walking, Wandern, Skilanglauf, Schwimmen, Gymnastik und Velofahren. Aber schon nur mehr Aktivität im Alltag wie zum Beispiel zu Fuss einkaufen gehen oder über Mittag einen halbstündigen Spaziergang machen bringt einiges und lässt sich relativ leicht in den Tagesablauf einbauen.

Die Spielregeln
Wer Insulin oder andere Diabetes-Medikamente bekommt, sollte vor und nach der sportlichen Betätigung eine Blutzuckermessung machen – bei langdauernden Aktivitäten wie zum Beispiel grösseren Wanderungen allenfalls auch zwischendurch. Sind die Werte zu tief, müssen Kohlenhydrate zugeführt werden. Bei regelmässiger sportlicher Betätigung sollten aber die Medikamente so angepasst werden, dass auf eine ständige Zufuhr von Kohlenhydraten vor oder nach der Aktivität verzichtet werden kann. Wenn Symptome einer Hypoglykämie wie Zittern, Herzrasen oder kalter Schweiss auftreten, sollte die sportliche Aktivität unterbrochen und Kohlenhydrate sowie Flüssigkeit zugeführt werden. Sobald die Werte wieder normal sind, kann man mit dem Sport weitermachen.

Messen nicht vergessen
Wichtig zu wissen: Nach dem Sport bleibt die erhöhte Insulinempfindlichkeit in den Muskeln noch bis zu zwei oder drei Stunden bestehen. Das heisst, es kann auch nach der körperlichen Aktivität zu einer Unterzuckerung kommen. Daher ist es sinnvoll, den Blutzucker auch nach dem Training zu messen und bei tiefen Werten entsprechend zu handeln. Fachleute empfehlen zudem, mittels Nachmessen zu prüfen, ob der Wert tatsächlich wieder ansteigt. Vor allem wer sich abends intensiv bewegt,  sollte sich bewusst sein, dass Hypoglykämien auch nachts beim Schlafen auftreten können.

Die richtige Ausrüstung
Ein gutes, wärmeregulierendes Outfit ist für alle Sportlerinnen und Sportler wichtig. Diabetiker sollten aber besonders auf perfekt passendes Schuhwerk achten. Verletzungen an den Füssen wie zum Beispiel Blasen können in ihrem Fall zu Komplikationen führen. Mit dabei haben sollten Betroffene zudem immer genügend schnelle und langsame Kohlenhydrate, das Blutzuckermessgerät, Insulin und Getränke.

 

Facts
Sich bewegen
 
150 Minuten wöchentlich sollen Diabetiker gemäss der American Diabetes Association ADA körperlich aktiv sein, idealerweise dreimal 50 Minuten.
 
 
Die Aktivität soll moderat intensiv sein, also beispielsweise zügiges Laufen oder Velofahren.
 
 
Diabetiker, die Sport treiben, senken gemäss holländischen Studien ihr Risiko, frühzeitig zu sterben, um 40 Prozent.