Glück ist sehr subjektiv. Für den Grossvater mag es das Grösste der Gefühle sein, einen Tag mit seinen Enkelkindern zu verbringen, für den gestressten Arbeitnehmer ist es vielleicht ein Wochenende in den Bergen fernab vom Alltagsstress.

Andere wiederum empfinden Glück, wenn sie etwas bzw. jemanden Verlorenes wiederfinden oder einem Unglück entrinnen konnten. Was die Beispiele miteinander verbindet, ist die Tatsache, dass Glück an bestimmte Augenblicke geknüpft ist – also nicht ewig währt. Das macht den Gefühlszustand auch so wertvoll. Denn wären wir dauerglücklich, würden wir dieses positive Befinden gar nicht mehr als solches erkennen.

Glücksbewusstsein schulen

Unser Ziel kann daher nicht sein, den ewigen Glückszustand zu erreichen. Vielmehr sollten wir daran arbeiten, die kleinen und grossen Glücksmomente im Leben einzufangen und bewusst zu geniessen.

Einfacher gesagt als getan. Rückblickend wird sich so mancher an glückliche Momente oder Lebensabschnitte erinnern, die er oder sie damals zu wenig bewusst erlebt hat. Die Schönheit einer solchen Erfahrung kristallisiert sich oftmals auch erst mit zeitlichem Abstand heraus.

Nehmen wir uns auch das Sprichwort «jeder ist seines Glückes Schmied» zu Herzen. Warten wir nicht darauf, dass uns das Glück zufällig in den Schoss fällt, sondern suchen wir es

Der Arzt und Philosoph Albert Schweitzer sagte einst: «Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind». Liegt also die grosse Kunst darin, scheinbar selbstverständliche Dinge im Leben als wertvolles Gut zu erkennen?

Das kann ein toller Freundeskreis, die fantastische Partnerin oder der erfüllende Job sein. Vielleicht entflammt bereits jener Moment ein Glücksgefühl in uns, in dem wir uns dieser, nennen wir sie Privilegien, bewusst werden.

Wenn wir das Dach über dem Kopf, das Sättigungsgefühl nach einer warmen Mahlzeit, das Wissen, in keinem Kriegsgebiet leben zu müssen, nicht mehr als selbstverständlich wahrnehmen.

Die Kehrseite des Glücks

Manchmal reicht bereits die eigene Vorstellungskraft, also ein «was wäre wenn», um sich des eigenen Glücks etwas bewusster zu sein. Manchmal sind es jedoch negative Erfahrungen und Gefühle, die uns daran erinnern, was Glück eigentlich alles bedeuten kann.

In der Regel ist es der Wechsel von positiven und negativen Empfindungen, der unser Glück erst fassbar macht. Nehmen wir unsere eigene Gesundheit: Solange es uns physisch und psychisch gut geht, sind wir uns dem Glück, gesund zu sein, nicht bewusst.

Schon eine einfache Grippe oder ein gebrochenes Bein zeigen uns aber auf, wie fragil dieser für uns selbstverständliche Zustand in Wahrheit ist. Körperliches und seelisches Wohlbefinden, aber auch Glück und Unglück hängen eng zusammen.

Ziele und Erwartungen haben

Nehmen wir uns auch das Sprichwort «jeder ist seines Glückes Schmied» zu Herzen. Warten wir nicht darauf, dass uns das Glück zufällig in den Schoss fällt, sondern suchen wir es. Indem wir uns kleine Ziele und Aufgaben im Alltag setzen und diese meistern, können wir wiederkehrende Zufriedenheit erreichen.

Durch die zeitliche Zielvorgabe bei gleichzeitiger Begeisterung für ein Vorhaben setzen wir uns einem positiven Stress (Eustress) aus, den wir nicht als belastend, sondern als belohnend empfinden. Auch die Vorfreude auf etwas Schönes, wie etwa auf die langersehnte Reise oder auf ein tolles Konzert, hält unseren inneren Glücksantrieb am Laufen.

Glücklich zu sein bedeutet letztlich, zufrieden mit sich selbst und seinem Leben zu sein. Ein Patentrezept gibt es zwar nicht. Aber man kann so einiges dafür tun, damit einem das Glück nicht abhandenkommt.