Es ist nun längst kein Geheimnis mehr, dass Menschen der westlichen Industrienationen immer älter werden. Seit 1990 ist die weltweite Lebenserwartung um durchschnittlich sechs Jahre gestiegen, in manchen Ländern sogar um zwölf.

Neben der Lebenserwartung stiegen auch die Bildungschancen, insbesondere für Frauen. Aufgrund eines mehrjährigen Studiums und anschliessenden beruflichen Karrierebestrebungen verschiebt sich logischerweise auch die Familienplanung nach hinten.

Dumm nur, dass mit steigendem Alter der Frau auch Quantität und Qualität der Eizellen abnehmen. Schon ab 30 Jahren lässt die Fruchtbarkeit deutlich nach. Damit sinken nicht nur die Chancen, schwanger zu werden, sondern auch die, eine komplikationsfreie Schwangerschaft vor sich zu haben.

Silicon Valley 2014. Die Unternehmen Facebook und Apple gaben bekannt, dass sie ihren Mitarbeiterinnen zukünftig das Einfrieren von Eizellen bezahlen werden. Bis dato war das Verfahren des Einfrierens, des Auftauens und des Im-Labor-Befruchtens von Eizellen eher dazu gedacht, Krebspatientinnen, im Anschluss an ihre schädigende Chemotherapie, den Kinderwunsch zu erfüllen.

Und seit zwei Jahren soll dieses Verfahren auch gesunden Frauen ermöglicht werden, die ihren Kinderwunsch nach hinten verschieben wollen. Nicht nur in der Schweiz, sondern europaweit brach hierüber eine hitzige Diskussion aus, die zwischen Faszination und Protest lag.

Social Freezing wird immer beliebter, wenn es darum geht, die weibliche Fruchtbarkeit auf ihrem jetzigen Ist-Stand zu konservieren und den Druck der biologischen Uhr zu umgehen. Das Konservieren von Eizellen in jüngeren Jahren widerlegt somit für Frauen das grösste biologische Hindernis für eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt.

Damit wird ihnen nicht nur der Zeitdruck genommen, um den passenden Partner für die Familienplanung zu finden, sondern es ermöglicht zudem auch die Konzentration auf die eigene berufliche Karriere, während man sich mit dem Kinderkriegen deutlich mehr Zeit lassen kann. Dies ist nicht nur für die Frau selbst, sondern auch für die Arbeitgeber ein offensichtlicher Vorteil, da sie die jungen, engagierten und gut ausgebildeten Arbeitnehmerinnen länger im Betrieb halten können.

Doch nicht nur diese ökonomischen Aspekte sind wichtige Faktoren im Bereich des Social Freezings. Denn zwischen fünf und zehn Prozent aller Frauen sind von vorzeitigen Wechseljahren betroffen. Üblicherweise beginnt die Menopause zwischen Mitte und Ende 40. Somit haben die Frauen ihre letzte Regelblutung mit durchschnittlich 51 Jahren.

Doch in einigen Fällen tritt der Funktionsverlust der Eierstöcke jedoch früher auf: zwischen Anfang und Mitte 30. Also durchaus in einem Alter, in dem insbesondere Akademikerinnen mit der Familienplanung gerade erst anfangen. Hier bietet das Verfahren des Social Freezings die Möglichkeit, sich trotz einer verfrühten Menopause den Kinderwunsch zu erfüllen.

Handeln, bevor es zu spät ist

Viele Experten aus sogenannten Kinderwunsch-Zentren beklagen die mangelnde gesellschaftliche Aufklärung in diesem Bereich. So kommen oft Akademikerinnen im Alter von Mitte und Ende 30, um sich Eizellen entnehmen zu lassen. Aufgrund dieses Alters ist die Qualität der Eizellen jedoch nicht mehr so gut wie die einer 25-Jährigen.

Demnach ist es sinnvoller, sich in möglichst jungen Jahren 10 bis 15 Eizellen entnehmen und einfrieren zu lassen, um sich bei Bedarf die qualitativ hochwertigeren Eizellen in den älteren Körper einpflanzen zu lassen.

Doch junge Eizellen sind nur die halbe Miete. Denn die Gebärmutter altert gemeinsam mit der Frau und taugt weit weniger für eine Einnistung der Eizelle als jüngere Geschlechtsorgane. Bis zu welchem Alter das Einfrieren der Eizellen jedoch wirklich sinnvoll ist, kann von Frau zu Frau stark variieren.

Einige Frauen haben mit Anfang 40 noch genügend Eizellen, während andere mit Ende 30 nicht mehr genügend haben. Deshalb ist es wichtig, nach einem Beratungsgespräch die Fruchtbarkeit der Patientin durch eine Ultraschall- und Hormonuntersuchung zu prüfen und ihr Hormonpräparate zur Erhöhung der Eizellenproduktion zu verabreichen.

Etwa vier Wochen später werden in bis zu fünf Operationen Keimzellen entnommen, aus denen brauchbare Eizellen gewonnen werden, die dann eingefroren und gelagert werden. Während das Einfrieren der Eizellen in der Schweiz auf lediglich fünf Jahre begrenzt ist, bieten andere EU-Länder dieses Verfahren für bis zu zehn Jahre an.