Diese Ausgabe beschäftigt sich speziell mit der Rolle des Blutes. Blut ist im menschlichen Körper zuständig für Transport von Sauerstoff und Nährstoffen, Abtransport von Abfällen, ist zentral in der Abwehr, was Wunder, hat es eine spezielle Bedeutung für den Menschen.

Zwei Themen seien hier hervorgehoben. Die Rolle von bösartigen Erkrankungen von Blutzellen, sprich Leukämie für die Welt der Krebserkrankungen sowie der Ersatz von fehlenden Blutzellen durch Transfusion.

Transfusionsmedizin lebt von Blutspendern

Die Transfusionsmedizin hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt und gilt heute als sicherer Ersatz fehlender Blutzellen. Rote Blutkörperchen, zuständig für den Sauerstofftransport, und Blutplättchen, zuständig für die Stillung von Blutungen, können Patienten, die einen Mangel haben, transfundiert werden.

Die Fortschritte der letzten Jahre betreffen vor allem die Sicherheit, welche massiv erhöht worden ist, sodass die Gefahr zum Beispiel von Übertragung von Krankheiten heute nur mehr sehr gering ist. Die Transfusionsmedizin lebt davon, dass Spender freiwillig Blut spenden gehen.

Das Spendewesen ist in der Schweiz hervorragend aufgestellt und gut organisiert. Wichtig ist, auch die junge Generation zum Blutspenden motivieren zu können; diese Menschen helfen, die Zukunft zu sichern. Bluttransfusionen sind in vielen Situationen lebensrettend, Unfälle, schwere Operationen seien hier genannt.

Umso schwieriger ist es, festzustellen, dass in vielen armen Ländern das Transfusionswesen unzureichend organisiert ist oder schlichtweg fehlt. Da bleibt der Menschheit viel zu tun.

Leukämie

Wenn Blutzellen bösartig entarten, spricht man von Leukämie. Da es verschiedene Sorten Blutzellen gibt, gibt es ebenso verschiedene Formen von Leukämie. Die Zellen des lymphatischen Abwehrsystems gehören ebenfalls zum Blut und werden je nachdem, ob sie das Blut oder die Lymphdrüsen befallen, als Leukämien oder Lymphome bezeichnet.

Manche Leukämien sind sehr aggressiv und schreiten rasch voran und sind deshalb «akute Leukämien», andere sind langsam wachsende «chronische» Krankheiten. Da Zellen im Blut gut zugänglich sind, gehören die Leukämien zu den am besten erforschten bösartigen Krankheiten.

Bereits in den 50er-Jahren wurden die ersten wirksamen Medikamente, Chemotherapeutika, entwickelt, dies bei der akuten Lymphoblastenleukämie der Kinder, welche heutzutage in einem hohen Prozentsatz heilbar sind. Die Erforschung dieser Krankheiten hat zu einem riesigen Wissensschatz über die Störungen dieser Zellen geführt, über die Wachstumsregulation, die nicht mehr funktioniert, und die Ausreifung, die ebenfalls nicht funktioniert.

Es sind meist erworbene genetische Schäden an Regulatoren von Zellwachstum und Ausreifung. Diese Kenntnisse haben nun zur Entwicklung von Medikamenten geführt, welche nicht wie die Chemotherapie ungezielt das Zellwachstum hemmen, sondern versuchen, gezielt den gestörten Regulator anzugehen.

Diese Entwicklung hat zu spektakulären Erfolgen geführt; so hat sich zum Beispiel bei der chronisch myeloischen Leukämie die Lebenserwartung durch diese neuartigen Therapien quasi normalisiert. Ebenso gut verständlich ist, dass ein Erfolg bei Regulatorstörung A bei Regulatorstörung B meist nichts nützt, da die Mechanismen da anders sind.

Deshalb muss die Forschung hier Schritt für Schritt vorangehen. Erfolge werden aber auch bei Immuntherapien erzielt, da sind ebenso verschiedenste Mechanismen im Spiel, zum Beispiel das Lösen der Hemmung, welche Tumorzellen auf das Immunsystem ausüben, funktioniert beim Hodgkin Lymphom, Antikörper, welche gegen Oberflächenstrukturen der Tumorzellen gerichtet sind, funktionieren bei verschiedenen Formen vorwiegend von lymphatischen Tumoren, manche Antikörper wirken besser, wenn sie an ein Chemotherapiemittel gekoppelt sind und diese direkt zur Tumorzelle tragen, andere Antikörper sind zweiarmig und ziehen Kämpferzellen in die Nähe der Tumorzellen.

Intensiv erforscht wird auch die genetische Umpolung von Kämpferzellen, das heisst durch genetische Manipulation den Kämpferzellen eine neue Zielstruktur vorzugeben. Dies ist aber noch in den Kinderschuhen und verlangt noch viel Arbeit. In dem Sinne wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre.