Stellen Sie sich vor...

...nur gerade 46 Prozent der Schweizer Bevölkerung könnten gut lesen. Für die andere Hälfte der Bevölkerung brächte der Alltag unzählige Hindernisse: Mietverträge, Zeitungsartikel, Ticketautomaten – alles nur mit grosser Mühe zu bewältigen oder sogar vollkommen unzugänglich.

Was beim herkömmlichen Alphabet glücklicherweise nur ein theoretisches Szenario ist, ist bei der Gesundheitskompetenz – auf Englisch «Health Literacy», also der Umgang mit dem Gesundheits-Alphabet – Realität. Hier verfügt mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung über ungenügende Fähigkeiten.

Unter Gesundheitskompetenz versteht man...

...grundsätzlich die Fähigkeiten und Umstände, die es einem Individuum ermöglichen, sich gesundheitsbewusst zu verhalten. Im Vordergrund stehen dabei der Zugang zu vertrauenswürdigen Gesundheitsinformationen sowie die Anwendung von Gesundheitswissen.
 

Die Gesundheitskompetenz betrifft alle Aspekte der Gesundheit, von der Prävention über Therapien bis hin zum Umgang mit chronischen Krankheiten.
 

Obwohl Gesundheitskompetenz eine derart zentrale Rolle spielt, ist sie bei der Schweizer Bevölkerung begrenzt. Eine Studie des BAG zeigt, dass 45 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer nur über eine problematische Gesundheitskompetenz verfügen.

Bei neun Prozent ist sie sogar unzureichend. Damit liegt die Schweiz unter dem EU-Durchschnitt.

Daraus lässt sich ableiten...

...dass die Mehrheit der Bevölkerung in der Schweiz vor Problemen steht, wenn es darum geht, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen und richtig einzuordnen.

Müssen sie bei einem gesundheitlichen Problem die passende Anlaufstelle finden, so bereitet ihnen das Mühe. Und auch sich im Alltag gesundheitsfördernd zu verhalten – oder überhaupt zu beurteilen, wie gesundheitsförderndes Verhalten aussieht – fällt ihnen schwer.

Mehr noch, zwischen Gesundheitskompetenz, Gesundheitszustand und dem Umgang mit Gesundheitsangeboten zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Menschen mit höherer Gesundheitskompetenz beurteilen ihre Gesundheit in der Regel als besser.

Auch verhalten sie sich eher gesundheitsförderlich. Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz besuchen häufiger einen Arzt, den ärztlichen Notdienst und die Notaufnahme. Präventionsangebote nutzen sie hingegen seltener.

In Zukunft...

...wird die Bedeutung von Gesundheitskompetenz noch weiter wachsen, denn die Beziehung zwischen Ärzten und Patienten wandelt sich. Wo früher strikte Hierarchien die Norm waren, kommt den Patienten heute vermehrt eine aktive und kooperative Rolle zu.

Es findet ein gegenseitiger Dialog statt, die Patienten haben zahlreiche Mitgestaltungsmöglichkeiten und fällen wichtige Entscheidungen. Gesundheitskompetenz ist dabei für die Patienten eine wichtige Ressource, um diese Rolle auch sinnvoll wahrnehmen zu können.

Doch Gesundheitskompetenz ist nicht alleine Sache der Patienten. Gesundheitskompetenz betrifft alle Akteure des Gesundheitssystems. Fachpersonen wie Hausarzt, Apotheker oder Therapeut sind zentrale Ansprechpersonen in Gesundheits- und Krankheitsfragen.

Sie können helfen, die Komplexität des Systems und damit die Anforderungen an die Patienten zu reduzieren. Ihre Art zu kommunizieren unterstützt den Patienten bei der Krankheitsbewältigung, bei Prävention und Gesundheitsförderung oder bei Behandlungsentscheiden.

Es gibt kaum einen Faktor im Gesundheitssystem, der so vielseitig wirkt wie die Gesundheitskompetenz. Oder bisher derart wenig Beachtung fand. In Zürich nehmen wir diesen Handlungsbedarf ernst. Aktuell befindet sich ein gemeinsames Projekt mit Careum in der Startphase. «Gesundheitskompetentes Zürich»:

Der Name ist hier Programm. Die Zürcher Bevölkerung soll gesundheitskompetenter werden. Dafür sind derzeit eine Reihe von Umsetzungsprojekten in Vorbereitung. 2019 wird es losgehen.